Corina Wagner

Sopranistin und Autorin


Das Heute, das jetzt Machbare zählt ...

 

 

 

Auf dieser Seite befinden sich Geschichten, Berichte über musikalische Ereignisse, Projekte, die in folgende Rubriken unterteilt sind:

Hochzeitsanekdoten

Beerdigungen

Veranstaltungen

Kirchenkonzerte

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Hochzeitsanekdoten

 

Beim Henker zu Gast?

 

Im Sommer 1984 sang ich im Saarland in der Nähe von Saarbrücken auf einer Hochzeit. An jenem Tag regnete es. Meine Schwester fuhr mich zu der Kirche, die wir allerdings zunächst suchen mussten, da wir diesen Ort nicht kannten. Mit dem Organisten hatte ich zuvor nicht geübt, dies sollte vor der Messe erfolgen. Ich war ziemlich nervös, da ich viele der Hochzeitsgäste persönlich kannte und mein Lampenfieber machte sich immer mehr bemerkbar, umso mehr wir in Zeitverzug kamen, da auf der Stadtautobahn in Saarbrücken relativ viel Verkehr war und sich ein kleiner Stau bildete. Ohne Wegbeschreibung wird es manchmal kritisch, direkt den Parkplatz einer fremden Kirche zu finden, je nachdem auf welcher Anhöhe diese z.B. steht und die Zufahrtswege manchmal anders verlaufen, als man ahnt.

So kam es, dass mein Herz schon vor Aufregung klopfte, da ich Angst hatte, ich könne nicht mehr mit dem Organisten proben. Damals war ich 19 Jahre jung. Meine Schwester beruhigte mich mit coolen Sprüchen während der Autofahrt, die nicht unbedingt wie Valium halfen, aber die Nebenwirkungen waren famos. Wir erreichten innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens Gott-sei-Dank noch die Kirche. Der kleine Haken dabei war, dass wir unterhalb der Kirche parkten und ich einen kleinen Fußmarsch von einigen Minütchen bergauf in Kauf nehmen musste. Anschließend konnte ich wider meiner Erwartung mit dem Organisten die beiden Lieder jeweils einmal singen, ohne großartig nach Luft zu schnappen. Die Stimme lief wie geschmiert und es gab keine Probleme. Da es sehr kühl in dieser Kirche war, behielt ich einen Schal an. Während der Trauung sang ich mein erstes Lied souverän, obwohl ich vor dem ersten Ton noch dachte, ich müsse sterben. Wer Lampenfieber kennt, kann dies wohl nachvollziehen. Nun alles war gut, bis mein zweites Lied nach der Trauung kam. Ich begann zu singen und der Text Panis ancelicus kam mir sauber gesungen über die Lippen. Während des Stückes kommt ein kleines Zwischenspiel und währenddessen wollte ich mir meinen Schal ausziehen, der mich nun beim Singen störte. Während der Hochzeitsmesse wurde mir auf der Empore warm, sodass ich also diesen fatalen Fehler beging und nach dem Schal griff. Meine Schwester beobachtete liebevoll die Szenerie. Plötzlich kam von hinten eine Hand und griff nach dem Schal. Ich dachte: "beim Henker!", auch "nun hat Dein letztes Sopranistinnenstündlein geschlagen..." und der Teufel hätte mich am Kragen. Dabei war es nur meine liebe Schwester, die mir behilflich sein wollte und zog versehentlich an der falschen Stelle, sodass sie mich halbwegs strangulierte. Horrorbilder spielten sich sekundenlang in meinem Kopf ab, bis mein Einsatz kam und ich das Lied zu Ende sang. Kein Mensch ahnte unten in der Kirche, welche dramatischen Sekunden sich oben auf der Empore abspielten. Meine eigene Schwester wollte mich vor den Augen des Organisten abmurksen. ;-) Einige Wochen später sah ich Videoaufnahmen bei dem jungvermählten Paar und hörte auch das Lied, bei dem ich beinahe stranguliert wurde. "Beim Henker" wie schön! Bei den Tonaufnahmen hörte man nichts, absolut nichts, was auf einen Schock hindeuten konnte. Wow, dachte ich und doch war der Auftritt ein Einschnitt in meinem Leben, den ich jahrelang am Hals hatte. Denn jedes Mal, wenn ich dieses Lied sang, dachte ich zunächst: Hoffentlich passiert nicht wieder ein Unglück. Und hatte vor dem ersten Ton dezentes Herzklopfen, auch wenn meine Schwester nicht in der Nähe war…

 

 

 

Aus dem Tagebuch einer Sopranistin

Samstag, den 10.07.2010

„Hi! Heute schon den leisen, vielleicht feinen Ton getroffen oder wohlmöglich den schrillen Signalton?" Das hohe C kam perfekt, aber nicht in Form eines Orangensaftes. Diese fruchtig süße Antwort hätte ich geben können, doch wurde mir diese heute nicht gestellt.
Was macht man nicht alles, um andere Menschen zu erfreuen. Entweder man zieht sich nackt aus, um auf sich aufmerksam zu machen und sinkt wie auch immer oder man singt. Natürlich gibt es noch andere Alternativen, aber ich bevorzuge das Singen schlechthin, also eher musikalisch betrachtet mit Wohlklang.
Es ist Samstag, die Welt ist eigentlich noch in Ordnung und deshalb hält dieser Tag eine Besonderheit für mich parat.
Gegen 14 Uhr soll ich auf einer Hochzeit singen. Der Organist hat sich mit mir bereits um 13 Uhr in der Kirche verabredet. Zur Probe ist auch ein Trompeter da, der später die kirchliche Trauung feierlich mitgestalten soll. Innerhalb kürzester Zeit könnte ich über die Autobahn diesen Ort erreichen. Da bereits in Deutschland Sommerferien sind, wähle ich an diesem Samstag die Route über die Stadt- u. Landstraße. Obwohl ich die Strecke schon gefahren bin und die Fahrtdauer kenne, verzögert sich die Anreise durch den samstäglichen „Bummelverkehr".
Während der Autofahrt singe ich mich ein und mache diverse Übungen. An der Ampel im nächsten Ort schaut mich ein Herr etwas irritiert an. Auf bayerisch würde man vermutlich schreiben, dass er mich „dabbert" beäugt. Ich gebe zu, dass es etwas sonderbar aussieht, wenn spezielle Übungen z.B. vor einem fremden Autofahrer absolviert werden, da die Mundmimik absolut verwirrend wirken muss. Ab und zu hört man vermutlich auch diverse Töne, die mit einem Karaoke- Singen während der Ampelphase nichts im Geringsten zu tun haben. Mein Autoradio ist absichtlich aus, diese Hintergrundgeräusche würden mich beim Einsingen ablenken. Und so tätige ich gerade zu Anfang des „Warm machen's" eine Bauchmuskelübung. Auf der Abbiegespur klotzt mich derart ein Herr (mittleren Alters) an, als bräuchte ich jeden Moment den Rettungswagen.
Dabei betätige ich doch nur mein Zwerchfell und stoße folgende Laute aus:" fkpt, fkpt, fkpt", solange bis ich keine Luft, also Atem mehr habe. Anscheinend sieht es durch die Seitenscheibe des Fahrzeugs beängstigend aus, als hätte ich bei der Hitze Schnappatmung und würde jeden Moment hyperventilieren. Es geht mir wirklich prima, liegt vielleicht auch an der Klimaanlage im Auto und meiner besonders guten Laune.
Deshalb wiederhole ich einige Minütchen später immer wieder die Worte:" Barbara saß nah am Bache!" und dies wirkt wohl wie Meditation an einem extrem heißen Sommertag. Dieses Feeling dient nur dem Einsingen. In Senden stehe ich an der Ampelanlage und mache vermutlich unbeabsichtigt Werbung für eine Bodylotion. Eine relativ kräftige weibliche Person reagiert etwas komisch, als ich gerade in den höchsten Tönen "Fenjala" singe.
Ich denke nur, solange ich keine Anzeige erhalte, dass eine Irre auf der Strecke ist, die laut im Auto Töne produziert und dadurch den Straßenverkehr gefährdet, soll mir der entsetzte Anblick egal sein.
Draußen sind sommerliche Höchsttemperaturen. Das Flimmern über dem Asphalt ist ein deutliches Zeichen dafür. In Gedanken gehe ich nochmals den Text durch, ohne von der Fahrbahn abzukommen.
Ein Traktor mit Anhänger ist unterwegs, behindert kurz den Verkehr, da gähne ich gerade und dies mit musikalischer Absicht. Innerlich - nicht unbedingt sehr ruhig, eher relativ entnervt, komme ich schon 5 Minuten zu spät an, was aber ursprünglich nicht meine Künstlerinnen-Absicht war. Ich denke nun über eine Autobahnfahrt nach.
In all der Hektik bin ich an einer steilen Straße zu früh abgebogen, muss kurz vor dem frommen Ziel wenden. Die Kirche liegt auf einem Hügel. Es ist heiß in Illerberg, sogar sehr, als ich mein Auto vor der Kirche parke. Die ersten Hochzeitsgäste sind schon da, sitzen z.B. im Pfarrgarten unter Bäumen. Ich nehme meine Notentasche und flitze in die Kirche.
Da erklingen bereits die Orgel und die Trompete. „ Trumpet Volutary" von J. Clarke wird geprobt. Die Kirchentür steht weit auf, sodass sich die Mittagshitze in der Kirche langsam ausbreitet. Ich gehe über eine Holztreppe auf die erste Empore und es wäre gelogen, zu behaupten, dass ich mich bei der Hitze darüber gefreut hätte, noch weitere Treppenstufen zu laufen, um auf eine zweite Empore zu gelangen. Gott sei Dank knirscht nicht der Holzboden und ein Absturzgefühl bleibt aus.
Der Zugang zur zweiten Empore wird mir durch ein kleines Türchen (ca. 85 cm hoch) nicht ermöglicht. Ich möchte es öffnen, doch anstatt ich nach oben kann, halte ich den Knauf in der Hand. P wie Panik bricht in meinem Gesicht aus und immer noch höre ich die Orgel- und Trompetenklänge. Leise entfleucht mir nicht damenhaft das Wort „Scheiße!"
Gott hört, sieht alles und kennt mich seit meiner Geburt. Die Orgel übertönt meine sprachliche Entgleisung. Es dauert viele Sekunden, bis ich den Knauf wieder befestigt habe. Schweißperlen zieren inzwischen meine Stirn, dann herrscht Stille in der Kirche. Ich verlasse meine Position vor der Verrieglungsstelle und hoffe, dass es nicht noch einen lauten „Rumms" gibt, quasi der provisorisch angesteckte Knauf auf eine der Treppenstufen fällt.
Kaum gedacht, fällt der Knauf herunter und ich befestige ihn erneut. Relativ erfreut gehe ich einige Schritte und beuge ich mich dezent über den Rand der Emporenbrüstung. Ich schaue begeistert nach oben, begrüße trotz alledem den Organisten sehr fröhlich und schildere ihm kurz mein Problem. Er bittet mich zunächst nach unten zu gehen, um die Lautstärke der Orgel im Zusammenspiel mit der Trompete zu überprüfen. Danach könne ich entweder ruhig über das Türchen klettern, um auf die zweite Empore zu gelangen oder mir das Türchen von einer Frau aufschließen lassen, die unten bereits sei.
Gesagt - getan, so gehe ich wieder schwitzend die Treppenstufen nach unten und entdecke im Altarraum auch schon gleich die Dame, die mir das Türchen aufschließen soll. Ich frage sie höflich und überprüfe allerdings zunächst die Akustik in der Kirche, sodass der Trompeter und der Organist kurz das Stück noch einmal anspielen. Meine Empfehlung bezüglich der Orgellautstärke teile ich den beiden Musikern überzeugt mit und gehe wieder zielstrebig Richtung Treppenstufen, gelange über die Treppe wieder auf die erste Empore.
Dank des geöffneten Türchens erreiche ich über eine schmalere Holztreppe die zweite Empore. Der Knauf hält und ist nicht mehr heruntergefallen. Schön, denke ich.
Es ist eine relativ trockene, fast stickige Luft dort oben. Nach einer kurzen Begrüßung singe ich meine beiden Stücke durch. Das Brautpaar hatte sich „Willst Du Dein Herz mir schenken von J.S. Bach" und „Panis angelicus" von Cesar Frank ausgesucht. Zweimal singe ich diese Lieder, sodass der Organist die Lautstärke der Orgel anpassen und sich an meine Interpretationen gewöhnen kann. Er empfiehlt mir das Bach Lied insgesamt lauter zu singen und diesem Willen gebe ich nach. Außerdem wird noch eine Veränderung in der letzten Strophe, am Ende des Stücks, vorgenommen. Man könnte auch von einem Auskosten eines voluminös klingenden Tones sprechen. In dem die Sopranistin förmlich badet, so dass die zuvor gesungenen Worte: „...willst Du dein Herz mir schenken", noch gefühlsbetonter bei den Zuhörern ankommen. Ich bade nicht nur im Schweiß und gebe alles.
Nach einem kurzen Lob will der Organist nochmals mit dem Trompeter proben und ich möchte diese Zeit für einen Toilettengang nutzen. Ich frage kurz nach den Örtlichkeiten, muss die Kirche verlassen. Mein Weg führt mich wieder über die steile Holztreppe nach unten. Mittlerweile ist das Türchen wieder verschlossen. Oben wird fleißig geübt und so nutze ich den Tipp des Organisten. Ich halte mich am Geländer fest, klettere mit einem Bein auf eine Kirchenbank und so gelange ich letztendlich auf den Fußboden der ersten Empore. Schweiß klebt am Rücken.
Mein Weg führt mich nach draußen durch die pralle Sonne Richtung Pfarrhaus bzw. Gemeindehaus. Ich lächle freundlich und grüße überschwänglich. Dort frage ich die schwitzenden Hochzeitsgäste nach einer Toilette. Ich muss in den Keller des Gebäudes. Hurra! Dort ist es sogar angenehm kühl. Hier bietet mir diese Gelegenheit der Kühle einen kleinen Nachteil. Eine Dame hat sich zuvor parfümiert. Die Duftstoffe rauben mir den Atem. Leicht angewidert und etwas benommen vom Schwall der Duftstoffe verlasse ich das Gebäude. Lächeln ist wieder angesagt.
Wie eine glühende Wand erwartet mich der kurze Weg bis zum Eingang der Kirche. Dann eile ich so gut es geht, die Treppenstufen wieder Richtung zweite Empore. Zum zweiten Male steige ich auf eine Kirchenbank und klettere über das Geländer, um nach oben zu gelangen. Mein Herz pocht wie irre. Ich schnaufe wie eine alte Eisenbahn als ich mich der Organist freundlich ansieht und sagt, ob ich das Lied „Panis angelicus" nochmals singen könne, wegen der Orgelbegleitung. Zu diesem Zeitpunkt denke ich nicht über mein linkes Knie nach, ob es wieder zittern könne, wenn ich später während der Messe singen würde. Mein Herz klopft heftig, reiße mich zusammen und singe. Danach trinke ich einige Schlucke Wasser und lutsche eine Pastille.
Die Luft ist sehr trocken und es wird zunehmend stickiger. Beide Lieder gelingen mir hervorragend, obwohl es zu einem sehr rührenden Problem während der Trauung kommt. Die Braut fängt während des sehr langen Trauspruches an zu schluchzen. Absolute Stille in der Kirche! Es dauert aus meiner Sicht eine kleine Ewigkeit, bis sie weiter spricht, liegt wohl auch an der Anspannung vor dem Singen. Sie kürzt unter Tränen den Spruch ab und dies berührt nicht nur mich sehr. Professionell zu arbeiten bedeutet aber auch, solche Momente ausblenden zu können und sich dann nur auf den Gesang zu konzentrieren.
Ich reiße mich da oben total zusammen und packe meinen ganzen Schmalz in das Lied „Panis angeclicus". Mein linkes Knie überrascht mich und fängt nicht ein einziges Mal wegen Lampenfieber an zu zittern. Glückshormone überschütten meinen Körper, dies liegt wohl nicht nur an dem frisch vermählten Paar, das sich bei mir für die wunderschöne musikalische Gestaltung bedankt, sondern auch an all jenen, die sich an meinem Gesang erfreuen können.
Und bei so vielen glücklichen Gesichtern lohnt sich auch in Zukunft die ein oder andere Kletteraktion über eine Kirchenbank und ein Treppengeländer. ;-)

 

 

Beerdignungen

 

Vorlautes Kerlchen?

1989 fragte mich der damalige Pfarrer im Ort, ob ich auf einer Beerdigung singen könne. Ich erzählte ihm, dass keine Großeltern in der Nähe wohnen würden, die sich um meinen einjährigen Sohn kümmern könnten. Die Freundin in Urlaub sei und mein Gatte beruflich unterwegs wäre. Für den Pfarrer stellte dies kein Problem dar, da er mir sagte, dass ich meinen Sohn einfach mit in die Kirche nehmen solle. Zwei Tage später war die Beerdigung und ich trug meinen Sohn samt Buggy auf die Empore. Oben angekommen, hatte ich  Rückenschmerzen. Die Trauernden hatten sich für die feierliche Gestaltung nur ein Lied von mir gewünscht. Ich sollte ich das Ave Maria von Bach-Gounod singen. Der Organist war bereits oben und übte ein Lied. Mein Sohn war sehr brav und hielt seinen geliebten Kuschelbär im Arm. Ich sang mit dem Organisten das Lied Ave Maria einmal durch und dann warteten wir gemeinsam darauf, dass die Trauermesse begann.

Das Orgelspiel begann und mein Sohn war immer noch sehr brav. Der Pfarrer sprach über das Leben des Verstorbenen und im Anschluss dessen -  begann ich zu singen. Ave Maria gratia plena, Dominus tecum, benedickta tu in mulieribus und ich wollte gerade et benictus singen, da fing mein Sohn zu weinen an.  Sein Bär war aus dem Buggy gestürzt. Ich bückte mich und sang weiter: fructus ventris tui Jesus und mein Sohn schrie. Panik brach in meinem Kopfkino aus, blieb äußerlich ruhig. Mit einer Hand hielt ich den Buggy und schob ihn auf der Empore hin und her. In der anderen Hand hielt ich die Noten. Nur gut, dass ich das Lied auswendig konnte. So sang ich Sancta Maria und mein Sohn schrie lauter!
Sancta Maria und ich sang lauter, steigerte mich gemeinsam mit meinem Sohn bei Maria, Maria ! Allerdings blärrte er göttlich und dann kam die Piano-Stelle ora pro nobis, die ich dezent lauter sang, sodass mich die Trauergäste noch unten in der Kirche hörten, da mein Sohn immer noch jämmerlich weinte. Danach steuerte der musikalische Höhepunkt zunächst mit dem nobis peccatoribus in ein spektakuläres nunc et in hora in horha.  Ich  frage mich bis heute, ob ich das ff, also das Fortissimo (sehr laut) lauter sang, quasi ein  fff, um das Geschrei meines Sohnes, den ich immer noch mit dem Buggy auf der Empore hin und her schob, zu übertönen, sodass  ich dann bei Amen in ein etwas lauteres, ein ungewollte Amen endete. Obwohl  ja eigentlich pianissimo (sehr leise) gesungen werden sollte.

Ich hatte damals Schweißperlen auf der Stirn, nahm meinen Sohn aus dem Buggy, der sich daraufhin ... sofort wieder beruhigte. Der Organist grinste dreist und sagte mir, so etwas Unglaubliches hätte er noch nie erlebt. Ich ging die Treppen hinunter und der Pfarrer ging Richtung Kirchentür. Seinen Blick werde ich nie wieder vergessen. Obwohl es eine Beerdigung war, grinste er mich an und die Messdiener mussten sich das Lachen verkneifen. Denn im Gegensatz zu den Trauergästen hatten der Pfarrer und die Messdiener freien Blick auf die Empore. Sie  konnten das Schauspiel Ave Maria mit dem einjährigen Hauptdarsteller beobachten.

 

 

Josefs rote Socken

 

Mitte der Neunziger wurde ich von einem jungen Organisten (Student) gefragt, ob ich auf der Beerdigung eines Freundes seiner Eltern singen würde. Ich sagte zu und drei Tage später opferte meine Freundin zwei Stunden ihrer Freizeit, kümmerte sich liebevoll um meine beiden Söhne. Ich hätte nie und nimmer wieder ein Kleinkind zum Singen auf eine Beerdigung mitgenommen. So fuhr ich ca. 7 km mit dem Auto zu dem Ort, in dem der Herr beerdigt werden sollte. Ich traf mich rechtzeitig mit Josef und seinen Eltern, die beide auch auf der Empore Platz nahmen. Es war vorgesehen, dass Josefs Vater zu Ehren seines verstorbenen Freundes mit der Trompete ein Soli spielte. Josef bat mich, Rinaldo von Händel inklusive Rezitativ zu singen. Wir probten beide das Lied zweimal durch, dann übte er noch kurz mit seinem Vater. Die Mutter unterhielt sich unterdessen mit mir sehr angeregt und bedankte sich nochmals, dass ich singen würde.
Josef hatte ich ja schon öfters in der Kirche gesehen, wenn er samstags oder sonntags Orgel spielte. Er war immer leger an, trug Jeans und Hemd. An der Beerdigung trug er einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd, eine schwarze Krawatte und passend dazu schwarze Schuhe. Auf den ersten Blick sah er sehr elegant aus - ein gut aussehender, junger Mann. Und so kam es, dass ich seine Mutter lobte. „Trotz traurigem Anlass sieht Josef heute richtig elegant und schick aus." Man merkte, dass die Mutter auch von dem Outfit ihres Sohnes ganz angetan war.
Josef zog oftmals seine Schuhe aus, spielte dann barfuss Orgel. Ihn störten die Schuhe, wenn er die Pedale mit den Füßen trat. Allerdings hatte er anscheinend an jenem Beerdigungstag ziemlich kalte Füße. Vielleicht war es die Aufregung, obwohl er auf mich eigentlich immer relativ gelassen wirkte, wenn er in der Kirche Orgel spielen musste. Bevor die Trauermesse begann, verließ Josef die Empore, um kurz in der Sakristei mit dem Pfarrer noch zu sprechen.
Josefs Vater sah sich nochmals die Noten des Trompetensolos an und seine Mutter und ich starrten von der Empore nach unten. Wir unterhielten uns leise und beobachteten wie Josef durch die Kirche ging. Er vor dem Altarraum einen Knicks machte, bevor er dann in Richtung Sakristei verschwand. Es war eine große Trauergemeinde und die Kirche war sehr gut besucht. Alle Augen waren vermutlich auf Josef gerichtet, als er diesen Knicks machte. Und genau in jenem Moment schrie seine Mutter neben mir entsetzt auf. „ I glaub' i schpinn. Der Josef trägt rote Sockn!" Josef trug tatsächlich rote Wollsocken unter dem schwarzen Anzug! Auch mir blieben diese von weitem nicht verborgen, als sich mein Blick auf ihn richtete.
Wenn wir dies von Oben sahen, dann hatten es vermutlich die anderen Trauergäste unten in der Kirche auch gesehen. Die Mutter schämte sich entsetzlich für ihren Sohn und ich beruhigte sie, dass es ja in der Kirche kalt sei.
Ca. 5 Minuten später kam Josef wieder auf die Empore zu seinen Eltern. Und bei aller Mutterliebe bekam der bereits erwachsene Sohn einen „Anschiss". Dies störte ihn aber Minuten später nicht, mich und seinen Vater hervorragend an der Orgel zu begeleiten. Und heute behaupte ich, dass es wohl genau an den warmen roten Socken lag...

 

 

Veranstaltungen

 

 

Kunstfahrschule in Ulm am 28.07.2013

Aus dem Tagebuch einer Sopranistin

Diesen Tag werde ich vermutlich nie wieder vergessen. Ich bekam die Gelegenheit bei der Eröffnung des Ersten Salons (Kleine Vernissage) der Kunstfahrschule in Ulm zu singen. Eine absolut coole Idee von Christian Greifendorf, die ich umsetzen konnte. Ich sang eine Arie a cappella und dies auf einem Balkon. Doch bevor ich darauf näher eingehen möchte, will ich die baulichen und kulturellen Gegebenheiten kurz für diejenigen erklären, die die Ulmer Kunstszene nicht kennen.

Die Kunstfahrschule wie auch die Kultur Fahrschule befinden sich ganz in der Nähe des Ehinger Tors in Ulm. Der große Gebäudekomplex soll irgendwann abgerissen werden. Der Eigentümer hat der Kunstszene die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. In einem Teil des Gebäudekomplexes zog bereits voriges Jahr über die Sommermonate die Kultur Fahrschule ein, umso größer die Freude, als man erfuhr, dass sich der Abriss verzögert und man 2013 wieder einziehen darf. Nun finden dort regelmäßig Veranstaltungen statt. So hatte ich z.B. gemeinsam mit Marco Kerler die Lesung Lyrik-Tandem am 24.07.2013 im sogenannten Cabrio-Theater. http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/TAGESTIPP-vom-24-Juli-2013;art4329,2122600

Vergangenes Jahr konnten die Räume des anliegenden Miethauses noch nicht genutzt werden. Dieses Jahr konnte dort die Zunft der Bildenden Kunst einziehen. Die ehemaligen Wohnungen werden nun als Ausstellungsräume verwendet.  Es gibt sogar einen 100 Euro Shop. Dort kann für den „kleinen“ Geldbeutel Kunst erworben werden.

http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/Kunstfahrschule-Vernissage-mit-Transit-und-Alpina;art4329,2106617

Woche für Woche zogen nun die Künstler ein und inzwischen herrscht eine Vielfalt von Kunst in den verlassenen Wohnungen. Die hiesige Presse berichtete bislang darüber ausführlich.

Am Sonntag (28.07.2013), dem bislang heißesten Tag in diesem Jahr wurde nun der Erste Salon in der Kunstfahrschule eröffnet. In dem ehemaligen Mietshaus gibt es nur einen einzigen Balkon. Er befindet sich genau über der Durchfahrt, um in den riesigen Innenhof des Gebäudekomplexes zu kommen. Meine Aufgabe war es nun, dass ich mich auf diesen „ollen“ Balkon stelle, um zu Veranstaltungsbeginn eine Arie a cappella zu singen. Welche Sopranistin bekommt schon einmal die Gelegenheit in Abendrobe auf dem Balkon eines „Abrisshauses“ mitten in einer Stadt eine Arie zu singen? Straßenlärm und Vogelgezwitscher sind dort Alltag, aber klassischer Gesang auf einem Hinterhof? Ich freute mich sehr auf diesen Auftritt. Super schön war auch das Sommerwetter an diesem Tag. Strahlender blauer Himmel, allerdings viel zu heiß, um sich überhaupt zu bewegen. Das tollste Badewetter lockte an die Badeseen in der Umgebung. Es waren ca. 35 Grad im Schatten und gefühlte 60 Grad beim Auftritt auf diesem Balkon.

Da es viel zu heiß war, um den Veranstaltungsbesuchern die pralle Sommerhitze im Hof zu zumuten, bestuhlte man einen Raum (grün/gelbe Loge) in der KuFa. Große Fenster wurden geöffnet, so dass die ZuhörerInnen den Blick auf den Balkon richteten und im Schatten blieben.

Wenn man mit einer ausgebildeten Stimme singt, dann ist das mit Hochleistungsport zu vergleichen. Im Laufe von vielen Jahren habe ich schon Vieles bezüglich von Temperaturen erlebt, wenn man bei Sommerhitze z.B. in eine kühle Kirche kommt. Doch bei diesem Auftritt hatte ich das Gefühl, dass ich gegen eine Feuerwand singe. Ich atmete beim Singen heiße Luft ein und dachte bereits nach den ersten Tönen, dass mein Körper schlapp macht und mir die Stimme total versagt. Die Arie aus der Oper Rinaldo von Händel hat einen traurigen Text, so dass dies auch irgendwie zur Höllenglut auf dem Balkon passte. Dramatik pur. :-)

Jedenfalls habe ich diesen Auftritt gemeistert und würde es sofort wieder tun. Vielleicht bei kühlerem Wetter. ;-) Fazit: Es war eine total coole Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

© Corina Wagner, Juli 2013

http://kunstfahrschule.kulturfahrschule.de/2013/07/1salon/

http://kunstfahrschule.kulturfahrschule.de/wp-content/uploads/KunstFa_Presse_Salon_1.pdf

Bilder: J. Kohlenberger

 

Zitat Kunstfahrschule auf Facebook:

Der erste Salon wurde übrigens von Corina Wagner auf höchsten Niveau und standesgemäß musikalisch eröffnet: Mit einer Arie. Das Publikum platzierte sich im Schatten der grün/gelben Loge und man merkte deutlich, dass es sehr gerne noch mehr gehört hätte. Dank an Corina Wagner, die dank der Fotoaufnahmen von Jochen Kohlenberger nun auch endlich ihr Publikum zu Gesicht bekommt.

Zeilen einer Sopranistin

Eine Sopranistin packt aus... ;-)

Es gibt manchmal Tage im Leben, die kann man einfach nicht schön schreiben, so zum Beispiel vergangene Woche Montag oder auch Mittwoch. Spontan fallen einem wohl möglich auch andere Tage ein, die auch durch schwere Schicksalsschläge geprägt sein können. Entweder man ergibt sich den unerwarteten negativen Einflüssen oder man belebt diese Tage mit Humor, um sich abzulenken. So wie vergangene Woche Montag. Doch zunächst möchte ich vom Thema abschweifen. Die Adventszeit birgt für das Ehrenamt eine ganze Menge Arbeit. Fleißige Hände organisieren, basteln u.a. für vorweihnachtliche Veranstaltungen kleine Geschenke oder auch Tischdekos, backen für die Gäste Weihnachtsgebäck. Man könnte unendlich viele Handgriffe aufzählen, die für eine gelungene Adventsfeier nötig sind. In einer funktionierenden Gemeinde gibt es viele kleine und große Helfer. Jedes Jahr findet hier vor Ort ein Adventskonzert in der katholischen Kirche statt. Der Erlös des Konzerts kommt der evangelischen und auch katholischen Pfarrgemeinde zugute. Nach dem Konzert darf gespendet werden. Mitglieder des St. Konradvereins organisieren dieses musikalische Ereignis. Die Vielseitigkeit der Beiträge macht es wohl aus und die Aussicht auf viele besinnliche Minuten, die man musikalisch betrachtet genießen darf. Die vollbesetzte Kirche deutet jedes Jahr auf ein willkommene Ablenkung in der Adventszeit hin.

Besinnliche Worte, die kann nicht jeder Mensch aussprechen, umso schöner, wenn es Menschen gibt, die diese Begabung nutzen, so auch eine Freundin von mir, die diese Fähigkeit bewundernswert beherrscht. Diese Wortwahl, die Hand und Fuß hat und kein „Wischiwaschi-Geschwätz" ist, wenn man als Zuhörer/in gebannt den Worten lauscht und nicht genervt auf die Uhr starrt. Wenn Sekunden manchmal beim Zuhören zur Zerreißprobe werden und man lieber fluchtartig das Gotteshaus verlassen würde. Nein - bei gelungenen Inhalten von Texten hört man gerne auf jedes Wort hin und döst nicht auf der Kirchenbank.

Jene wohltuende vorweihnachtliche Atmosphäre bietet Menschen ungefähr eine Stunde lang die Möglichkeit - aus dem Alltagstrott zu entfliehen und zur Ruhe zu kommen. Wie ergeht es aber den Menschen, die u.a. die musikalische Gestaltung mitprägen, Leute wie mich, die dort singen? Das Publikum hört nur Töne, ob nun per Instrument oder menschlicher Stimme interpretiert. Eigentlich wollte ich dieses Jahr das Wiegenlied von R. Strauss singen. Zwei Wochen vor Konzerttermin traf ich mich mit der Organistin. Das Ergebnis der kurzen Probe fiel nicht zu meiner Zufriedenheit aus. Die Orgelbegleitung klang ganz fürchterlich und dies lag nicht etwa am Können der Organistin. Die Klavierpartitur war absolut nicht für die Orgelbespielung geeignet. Nur Akkorde zu spielen, hätte sich wahrlich auch nicht vorteilhaft angehört. Die Organistin hätte mir gerne die 15 Seiten umgeschrieben, denn das Stück dauert über fünf Minuten. Sie hatte allerdings verständlicherweise keine Zeit, denn sie musste für einige Tage in die Schweiz reisen, um ihrer Tochter behilflich zu sein. Ich muss zugeben, dass ich zunächst ziemlich gefrustet war, denn ich hatte mich so darauf gefreut, dieses Wiegenlied im Konzert zu singen. Die Alternative lautete dann plötzlich: „Es wird scho glei dumpa" und „Still, still, still..." .Wir trafen uns eine Woche später kurz zu einer Probe. Die Organistin hatte Fieber und war stark erkältet. Pflichtbewusst spielte sie in der Messe die Orgel und anschließend probten wir sehr kurz. Sie kann hervorragend spielen, verzichtete aber bei der Probe auf jeweils das Vorspiel und spielte die Werke auswendig. Das Schöne dabei war dann letztendlich auch, dass ich singen konnte, wie es einer Sopranistin gebührt. Die Organistin spielte die Lieder für mich einfach einige Tönchen höher...

Sie sagte mir dann noch, dass sie beim Konzert jeweils ein kurzes Vorspiel machen würde. Ich wünschte anschließend noch eine gute Genesung bis zum Konzert. Zuhause angekommen, dachte ich noch, hoffentlich ist sie bis zum Konzert wieder fit. Sie kann es exzellent, dieses einfühlsame Spiel, das Anpassen an die Solisten und ich hoffe, dass sie mich noch ganz lange begleiten kann, denn sie könnte meine Mutter sein.

Und nun zurück zum Montag. Auf der Geburtstagsfeier einer Freundin wollte ich eine Kurzgeschichte vorlesen. Das vorgesehene Blatt fiel unter die moderne Eckbank, so dass zwei Frauen wegen mir aufstehen mussten. Ich krabbelte sehr elegant unter den Tisch und bei diesem ungeplanten Vorfall gab es ein sonderbares Geräusch in meinem rechten Knie. Abends musste ich dann zu einer Stellprobe für das Konzert in die Kirche, da ich auch noch im Chor mitsang. Das Knie schwoll zwischenzeitlich an und ich hatte starke Schmerzen. Dienstags gab es dann zunächst einen Termin beim Hausarzt. Sofort danach einen Röntgentermin wegen meinem „Bagatell-Trauma" im Krankenhaus. Eine Meniskusverletzung wurde diagnostiziert mit Verdacht auf einen Kreuzbandriss. Wenn die Schmerzen im Laufe der Woche nicht nachlassen würden, sollte ich mich nach einer Woche zu einem MRT anmelden. Toll! Ganz toll dachte ich, als ich nach etlichen Stunden des Wartens wieder zu Hause war. Ein bandagiertes Knie - kein Grund, um einen Auftritt im Chor und auch meine Solis abzusagen. Es gibt Sportler, so z.B. Tennisspielerinnen, die spielen mit solchen Verletzungen ihr Match noch zu Ende. Mittwochs nahm ich dann noch einen geplanten Frisörtermin wahr. An jenem Tag war „Dabbes-Day", hätte ich dies zuvor gewusst, dann wäre ich niemals aus dem Auto ausgestiegen, ohne eine rote Pappnase aufzusetzen. Ich ging kaum sieben Schritte, da übte ich für den berühmten Zirkus Knie eine neue Nummer. Auf regennasser Straße rutschte ich mit flachen Stiefeletten sehr elegant aus und während dieser spektakulären Zirkusnummer überlegte ich mir, ob ich nun besser auf das rechte Knie, also auf das bereits gerögnte, dieses Bagatell-Trauma-Knie lande oder auf dem anderen. Ich entschied mich spontan für das linke Knie. Hautabschürfungen sollten die Folge dieser eleganten Landung sein. An jenem Mittwoch konnte sich dieses bei der „Schmerztherapie" angewendete Medikament nicht wirklich entscheiden, wo es wirken sollte. Doch der Humor verließ mich nicht, denn ich hätte ja auch auf den Kopf fallen können, bin ich aber nicht... Besser nur ein Meniskusschaden als ein Dachschaden, so mein Fazit an jenem Abend. Auch die Stimmbänder hielten die ganze Woche durch und nahmen keinen Schaden, obwohl ein Familienmitglied eine Lungenentzündung vorweisen konnte. Es gibt Tage im Familienleben, die sind dezent anstrengend für diejenigen, die nicht auf dem Sofa herumlungern können... Hier ein Lob an meine Lieben!

Wer mich etwas näher kennt, hat Kenntnis über jahrelange Glanzleistungen meines rechten Knies, wenn ich solistisch singen durfte. Denn damals machte oftmals dieses Knie während des Singens einfach, was es wollte und fing stillschweigend zu zittern an. Diese Zeiten sind nun dank selbsternannter Kniespezialisten, Herren aus Bass und Tenor des Chors, die mein Knie durch Handauflegen vor Konzerten therapierten...

... nun endgültig vorbei.

Beim Adventskonzert hätte übrigens das rechte Knie sowieso keine Gelegenheit gehabt, wieder eine Zitternummer zu absolvieren, denn es war ja bandagiert. Kennen Sie den Spruch:"Schön bis in den Tod"? Ich musste während des Konzerts durch die gesamte Kirche laufen, um zur Empore zu gelangen, da der Chor im Altarraum auftrat. Da schmerzte das Knie ohne Rücksicht auf die Sopranistin zu nehmen, aber nicht mit mir, dachte ich zunächst. Ich ging sehr zügig durch die Kirche, als hätte ich die Knie einer Zwanzigjährigen. Kaum außer Sichtweite des Publikums schlich ich wie eine Hundertjährige die Treppe zur Empore hoch. Drei Lieder hatte ich Zeit, bevor meine sehr geschätzte Organistin mit ihrem Vorspiel begann. Sie begleitete mich bei den beiden Stücken hervorragend. Nach dem Singen humpelte ich die Treppenstufen hinunter und dann lief ich, aber so was von schön, schwebte geradezu wie eine Elfe zu meinem Platz. Mindestens zwanzig Kilo leichter... Nur mein „Bagatell-Trauma-Knie" gefiel diese selbstbewusste Haltung nicht und rächte sich mit einem stechenden Schmerz. Dafür lächelte mich aber ein Chormitglied sehr fröhlich an und hielt den Daumen nach oben, als ich mich setzte. Nach dem Konzert fielen vom Publikum Worte wie „sehr schön gesungen" und „wunderschön gesungen" oder auch „sehr gefühlvoll gesungen". Bei solchen glücklichen Gesichtern und den vielen netten, schmeichelnden Worten bezüglich des Gesangs lohnt sich das Singen auch, wenn man vielleicht gesundheitlich nicht ganz so fit ist. Vielen Dank an das Publikum und die Fans meiner Stimme.

© Corina Wagner, 12. Dezember 2011

 


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Die Christel von der Post

Anfang der Achtziger sang ich mit meiner Mutter und einer Freundin aus dem Kirchenchor Ensheim auf einem Bunten Nachmittag in der Ensheimer Sporthalle. Meine Mutter spielte u.a. Klavier, sang z.B. Mein Herr Marquis (Die Fledermaus) und Gretel G., die Freundin, ein Ensemer Original moderierte die Veranstaltung mit viel Charme und Witz. Damals sang ich z.B. das Lied: Ich bin die Christel von der Post (Der Vögelhändler). So kam es auch, dass wir drei gemeinsam:
„Bald prangt den Morgen zu verkünden" aus der Zauberflöte zum Besten gaben.
Auch dieses Lied gefiel dem Ensheimer Publikum damals sehr gut und dementsprechend gab es auch Applaus. Ich musste nach diesem Auftritt nicht mehr singen, sagte zu meiner Mutter, dass ich kurz nach draußen gehen würde, um auf die Toilette zu gehen. Ich ging Richtung Ausgang und der Weg zog sich von der Bühne aus, quer durch die ganze Sporthalle.  Lauter vergnügte Gesichter starrten mich an und einige Bekannte aus dem Ort nickten mir wohlwollend zu.  Ich  wurde  auch von einer älteren Frau angesprochen. Sie lächelte mich sehr fröhlich an und sagte dann zu mir: „Du hascht awwer äh scheener Tenor!" (Du hast aber einen schönen Tenor.)
Damals war ich gerade siebzehn und bedankte mich höflich für dieses Kompliment.  Dabei strahlte ich die ältere Frau an, verkniff mir ein freches Grinsen. Später erzählte ich den anderen Mitwirkenden von diesem Feedbeack, die sich darüber köstlich amüsierten.

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Ich singe solange, bis ich zur Quintenschaukel mutiere und dann schreibe ich über ganz neue Töne ...