Corina Wagner

Sopranistin und Autorin


Das Heute, das jetzt Machbare zählt ...

 

Poetry Slam

Auf dieser Seite muss man scrollen, ist so, wenn man Neuigkeiten erfahren will. Deshalb bitte am Rädchen drehen... :-)

 

 

Es ist immer das erste Mal...

                                                    ... entweder man tut es oder man lässt es sein ...

Warum?

"Ich experimentiere gerne."

Wieso?

"Ich kann total Verrücktes vor Publikum ausprobieren."

Weshalb?

"Man begegnet begabten jungen Menschen, aber auch älteren Poeten..."

Im Januar 2014 betrat ich eine Slammer-Bühne...


                                                                                

 

 

 

Poetry Slam in Ulm - 11.01.2014 im Roxy

CoLyrik

Berühmte und weniger berühmte Slammer trafen beim Poetry Slam in Ulm auf Corina Wagner, die das erste Mal in ihrem Leben auf einer Poetry Slam-Bühne stand...

Poetry Slam Ulm, 11.01.2014

Es ist vollbracht. Vorbei. Den ersten Poetry Slam habe ich in meinem bereits fortgeschrittenen Leben hinter mich gebracht. Ganz ehrlich, also es gab schon schlimmere Abende in meinem Leben. Ich möchte es wieder tun. 5-6 Minuten auf einer Bühne zu verbringen, die wie gestern Abend nicht viel Sicht bot. Man sprach dort zumindest ins Dunkle. Wow! Cool! Jedenfalls war es dort im Roxy in der Werkhalle so. Diese war in Ulm bis auf den letzten Sitzplatz ausverkauft. Es wurde gemunkelt, dass zwischen 50-200 Leute umsonst kamen. Ca. 500 Leute sollen angeblich zugesehen haben. Anziehungsmagnet für diese Veranstaltung war wohl die Ankündigung der Cremé de la Cremé unter den Slammern. Junge begabte Menschen, die schon etliche Preise einheimsen konnten, weil sie nicht das erste Mal auf einer Slammer-Bühne standen. Bekannte Namen aus der Szene, quasi das Gelbe vom Ei aus der Sparte, lockte das Publikum an.

Patrick Salmen reiste zum Beispiel an. 2008 nahm er das erste Mal an einer Poetry-Slam-Meisterschaft teil. Ein routinierter Slammer durch und durch mit ganz vielen Titeln. Einer der wohl bekanntesten Favoriten für den Abend, ein echter Kurzgeschichtenmacher. Ein Star in der Szene, schreiben wohl die Zeitungen. Im November 2009 trat Martin Sieper auf der kleinen Marburger Lesebühne “Punk&Poesie" erstmalig auf, der inzwischen dank seiner witzigen Kurzgeschichten im Slammer-Metier nicht mehr wegzudenken ist und etliche Titel vorweisen kann. Theresa Hahl (Jahrgang 89) war nach Ulm gekommen. Sie tritt auch seit 2009 als Slam-Poetin auf. Hahl ist Protagonistin des Dokumentarfilms „Dichter und Kämpfer“ über die deutsche Slam-Szene, der auf der Berlinale 2012 seine Premiere hatte. Eine ausgezeichnete Nachwuchspoetin, die das Publikum fesselte, aber dies tat ein junger Mann mit seinen tiefgründigen lyrischen Worten aus Freiburg auch. Es war sein zweiter Slam und in Zukunft wird man meiner Ansicht nach noch viel von ihm hören. Insgesamt waren es 11 Teilnehmer, da ein Duo aus der Schweiz teilnahm. Es war aber nicht irgendein Duo, sondern das Team Interrobang aus Zürich, die die Gewinner des Schweizer Poetry Slam Team-Titels von 2013 sind. Valerio Moser und Manuel Diener wurden nun Zweiter. Sieger des Poetenwettstreits war tatsächlich auch ein Schweizer. Kilian Ziegler aus Olten gewann mit tobendem Applaus. Ziegler (Jahrgang 1984) gehört zu den erfolgreichsten und aktivsten Schweizer Slam Poeten. Seit 2008 nimmt er an Poetry Slams im In- und Ausland mit großem Erfolg teil. 2013 wurde er z.B. mit dem Förder-/Anerkennungspreis der Kulturstiftung "Kurt und Barbara Alten" ausgezeichnet. Ein Wortakrobat par excellence. Mein persönlicher Eindruck: Ein kluger, sympathischer Schwiegermutter-Typ, der es faustdick hinter den schweizer Ohren hat. Er kam, grinste, sprach und sprach und sprach über das Alpaka und dies sehr witzig und sehr gut.

Dana Hoffmann und Ko Bylanzky moderierten souverän durch die Veranstaltung.

Bei diesem Poetry Slam wurde vor Beginn entschieden, dass sich die TeilnehmerInnen nur mit einem Text präsentieren können. Durch die hohe Anzahl der TeilnehmerInnen wäre der Slam ansonsten zu lange geworden. Drei Frauen und acht Männer traten auf, wobei unter den Männern dieses bereits erwähnte Duo war. Es gab jeweils fünf Einzelauftritte, dazwischen erfolgte eine Pause. Nach den ersten fünf Auftritten wurde abgestimmt, wer am besten aus dieser Gruppe beim Publikum ankam. Dieser Sieger trat dann gegen den Sieger aus der anderen Gruppe an. Jene  Slammer hatten dann die Möglichkeit noch einen zweiten Text vorzutragen. Dann musste das Publikum entscheiden, wer in ihren Augen den Slam gewinnen soll. Die Reihenfolge des Auftritts wird bei den Slams ausgelost. Die beiden Moderatoren übernahmen dies jeweils in der Werkhalle auf der Bühne. Auftritt für Auftritt wurde zuvor gezogen. Wer noch nie bei einem Poetry Slam dabei war, weiß also spätestens jetzt, dass so manche/r TeilnehmerIn wartet und wartet, bis der Name endgültig gezogen wird. Ich war als viertes an der Reihe.

Da ich überhaupt noch keine Poetry Slam-Erfahrungen sammeln konnte, entschied ich mich für einen total irren Text, so unter dem Motto, wenn ich keine Chance habe, den Whisky zu gewinnen, dann wollte ich mich wenigstens auf der Bühne austoben. Wann bekommt man schon mal die Gelegenheit vor ca. 500 Leuten als schizophrene Arbeitsuchende aufzutreten, die dann auf der Bühne schreien und keuchen darf. Ihre Jobvermittlerin als Sterbehilfe-Beraterin betiteln kann und genau deshalb las ich die Kurzgeschichte Suizidprediger vor. Ein sozialkritische Geschichte, die u.a. auf Sanktionen aufmerksam macht, aber auch Humor bietet und eine Menge Wahnsinn. Puren Wahnsinn!

Ich hätte gerne zuvor übrigens einen Soundcheck gemacht, scheint aber bei den Poetry Slams nicht üblich zu sein, so wurde mir später berichtet. Da hilft wohl nur die Routine. Ich benötige ansonsten nie ein Mikrofon, da meine Stimme ausgebildet ist, da fehlen mir Erfahrungswerte.

Ich hatte auf der Bühne meinen Spaß und möchte mich noch auf weitere Poetry-Slam Bühnen wagen. In Zukunft aber mit anderen Texten. Und wer weiß, also in einigen Jahren…

…. gewinne ich vielleicht in meiner Altersklasse eine Flasche Whisky plus Schnabeltasse. :-)

Wer die Kurzgeschichte lesen will, findet diese unter der Rubrik Sammelsurium. Dort steht der Artikel über den Poetry Slam  plus Kurzgeschichte Suizidprediger.

© Corina Wagner, Januar 2014

 

http://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/poetry-slam-in-ulm-11-01-2014-im-roxy


Poetry Slam

Wortkonzert in Biberach

8. März  2014

http://www.wortkonzert.de/

Ein dickes Lob nach Biberach!
Es war total cool und prima organisiert. Ein echter Geheimtipp in der Region. Ein sprachliches Highlight, ein Feuerwerk der Worte, die in der Abdera Kulturhalle während des Wortkonzerts versprüht wurden. Super Lokation. T
olle, sympathische Gastgeber, ausverkaufte Halle, grandiose TeilnehmerInnen. Dickes Lob an Tobias Meinhold und Robin Mesarosch. Es hat mir große Freude bereitet beim Wortkonzert teilzunehmen.

Bildquelle: Ulrich Klob

Mein besonderer Dank gilt Ulrich Klob, der mir die Bilder zur Verfügung stellte.


Wer ganz mutig und bei guter Verfassung ist, kann meinen Worten lauschen:



Poetry Slam

11. April 2014

Weingarten

Poetry Slam im Kulturzentrum Linse in Weingarten


Poetry Slam in Weingarten, das Slam-Original in Oberschwaben, verlief ganz anders, als sich das Zeremonienmeister Wehwalt Koslovsky, die Poeten und das gesamte Linse-Team vorgestellt hatten.

Während des Slams brach ein Brand auf einer Dachterrasse des Gebäudekomplexes aus, so dass das gesamte Gebäude noch geräumt wurde, bevor die Feuerwehr eintraf. 38 Löschfahrzeuge waren dann im Einsatz, da man vorsichtshalber auch noch Einsatzfahrzeuge aus Ravensburg anforderte. Ein heißer Abend eigentlich... Ich stand ohne wärmende Jacke vor der Tür, da diese in der "Künstlergarderobe" im Büro untergebracht war. Über 250 Menschen standen draußen im Freien, aber die meisten mit Jacken und Mänteln. Einigen jungen Menschen las ich unter einer Laterne einige Texte vor. Diese bedankten sich brav bei mir mit Applaus, weil ich damit die Warterei überbrückte. :-)  Die Schmunzelgesichter werde ich nicht mehr vergessen. Nachdem der Brand gelöscht war, ging die Veranstaltung weiter. Danach fuhr ich noch nach Hause. Ich wollte in meinem eigenen Bett schlafen... ;-)

Bildquelle: Wehwalt Koslovsky



 

Poetry Slam

13. Juli 2014

15.30 Uhr

Biberach

Poetry Slam in Biberach

Im Rahmen Biberacher Aktions- und Musikfestival (BAM) nahm ich am 13. Juli 2014  an einem kleinen, aber feinen Poetry Slam in Biberach teil, den Oki Doki moderierte. Alles war wieder super, nette Leute, aber das Wetter war unter aller Kanone. Ich hatte bereits auf der Hinfahrt Platzregen. Die Veranstaltung fand am Nachmittag im Freien vor der Kulturhalle Abdera statt. Da blieben quasi nur Outdoorliebhaber und lauschten unseren Worten...
Wer nun Lust und Laune hat, kann den Text nachlesen. 

 

Hass

Jetzt spreche ich ganz offen,

setze auf Ihr Verständnis

und kann nur hoffen,

das mich einige von Ihnen verstehen.

Heute schwadroniere ich über ein Tabu,

gehöre zu einer Randgruppe dazu.

Jawoll!

Wir nennen uns DHH.

Deutschlands harmloseste Hasser -

wir sind quasi die Luser unter den Hassern.

Wir sprechen quasi aus, was andere denken.

Keiner wird von uns geschont

 und wir

 werden dafür meistens mit Häme belohnt.

Ich hasse,

bin Querulantin, Trotzerin,

die Contra-Tussi,

 Gegnerin gegen Alles in Schland,

stehe immer am Pranger.

 Mit allem -  samt dickem Hintern stets noch an der dünnsten Wand

 und bin unter dem Pseudonym Frau Wichtig

 unter all‘ den Hassern bekannt.

Hass ist ein Urinstinkt, das kann ich mit Herzblut bestätigen.

Und doch bringe ich niemanden um,

wenn es nicht gerade ein Stechmücke ist,

die mich als ihr nächstes Opfer anfliegt.

 

Ich hasse Dünnbrettbohrer und Schnorrer.

Ich bin bekennende Hasserin.

Meine Mundwinkel zeichnen mich aus.

Ich hasse! Hasse! Hasse!

Jawoll!  Dass musste jetzt raus.

Ich hasse Reisbrei, Haferschleim, den find‘ ich fies,

 mag keine Nacktschnecken am Spieß,

 Haare im Waschbecken und Ketchup-Flecken.

Ich hasse abgerissene Milchtüten-Laschen und Abführflaschen.

Ich mag keine Schweine, die vornehme Anzüge tragen

und mich nach meiner politischen Meinung fragen.

Da werde ich boshaft, zynisch und gemein.

Ich bin übrigens auch bekennende Hasserin

 von dem ein oder anderen Abhörverein.

Ich hasse Menschen, die rassistisch denken

und Bücher wie Mein Krampf verschenken.

Ich hasse Ärzte,

die sich nicht an das Genfer Gelöbnis halten

und lieber wirtschaftliche Ziele anstreben,

Vermögen anhäufen und für sich verwalten.

Ich hasse Krankenhauskeime.

Jawoll!

Ich hasse Betrug!

Ich liebe  viel viel mehr als ich eigentlich hasse,

also wenn ich gut drauf bin.

Ich liebe Menschlichkeit

und das Wort Freiheit.

Daran sollten sich Politiker mal ein Beispiel nehmen.

Heute geht es mir übrigens so lala (in Biberach).

Ich hasse Journalisten, die Fußballern doofe Fragen stellen.

Jawoll!

Ich mag keine Korruption und liebe Transparenz als Option.

Ich hasse negatives Chaos in höchster Perfektion.

Ich hasse falsches Mitleid von Menschen,

die mir völlig unsympathisch sind.

Jawoll!

Blinder Hass unter Sehenden ist brandgefährlich.

Und deshalb hasse ich unberechenbare Flächenbrände.

Ich hasse Monster und Hassprediger.

Ich finde Koikarpfen-Besitzer bedenklich

und Kampfhundebesitzer automatisch zu fleckmatisch.

Ich hasse 12 Grad im Hochsommer.

Manno!

Ich hasse, hasse, hasse!

(Ich hasse Regen.)

Ich hasse Ungeziefer auf Damen-Toiletten

 und in Aufsichtsräten.

Ich halte absolut nichts von Trollen,

 da kann ich erzürnen und unangenehm grollen.

Purer Hass entsteht für mich auf der Autobahn unter Tempo dreißig,

wenn die Sonne scheint und meine Blase inzwischen weint.

Besonders hasse ich  prekäre Arbeitsverhältnisse

und inhaltslose Gespräche.

Ich hasse vor allem Vorurteile.

Ich hasse Intoleranz, Stringtangas

und politisch gewollten Firlefanz.

Jawoll!

Schönen Tag noch.

 

© Corina Wagner, Juli 2014

 

Bildquelle: © Ulrich Klob


Theater Neu-Ulm
KultuReservoir
& Radio free FM

präsentierten den

1. Poetry Slam Neu-Ulm

am Donnerstag, den 20. November 2014, um 20 Uhr im Theater Neu-Ulm.

Es war ein beeindruckender Poetry Slam, der durch die Vielfalt der Beiträge glänzte.

Auf der Bühne standen: Catharina Straß, Paul Kost, Bernd Uwe Schiefer,  Robert Scheel, Marco Kerler, Franziska Hymon, Stefan Grzesina, Heinz Koch, Corina Wagner

 

Vor fast vollem Haus traten die Slammer gegeneinander an. Moderatoren Tobias Meinhold von KultuReservoir und Paolo Percoco von Radio free FM sorgten für einen gelungenen Abend, trugen beide so genannte „Opfertexte“ vor, die beim Publikum super gut ankamen. Die Bandbreite der unterschiedlichen Texte war enorm. Ich war sehr froh, dass ich nicht bewerten musste. In und um Neu-Ulm und Ulm herum gibt es wahre Wortkünstler, so mein Fazit.  Besonders cool fand ich die Rap-Reime von Bernd Uwe Schiefer. Er zeigte während des Poetry Slams Faszinierendes. Er ging auf Publikumswünsche ein und überraschte alle mit seinen Spontan-Versen.

Robert Scheel gewann den Poetry Slam mit skurrilen Kurzgeschichten. Über ihn schrieb ich schon einmal einen Artikel: https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/chaoslesen-im-theater-neu-ulm

 

Für den 1.  Poetry Slam in Neu-Ulm habe ich extra einen neuen Text verfasst, den ich nun für all jene zugänglich machen möchte, die nicht im Theater Neu-Ulm saßen. :-)

 

 

Schönen guten Abend,

mein Name ist – pfffffffffffh -  uninteressant, den muss sich niemand merken, aber mein Gesicht. Schaut mich an. Was ist nur aus mir geworden? Schaut mich von oben bis unten an. Guckt mich genau an, beobachtet mich und eigentlich bin nicht übergewichtig, nehme nur Platz ein. Stimmt’s?

Vorsicht! Vorsicht! Ich sehe von dieser Position aus in das ein oder andere Gesicht. Ich kann Eure Gedanken lesen. Klar hab‘ ich das Potenzial zur Kanzlerin, Sittenwächterin oder auch zur Bestatterin.

Entsetzlich, was aus der Verschmelzung von Ei- und Samenzellen werden kann. Ein monströser Zellklumpen. Der erste Eindruck ist entscheidend. Der zweite manchmal auch, hat man wie ich einen ausgeprägten Bauch. Aus der Zygote ist ein bösartiges, aggressives Verbal-Monster geworden, sagte neulich ein Klassenfeind. Da war ich zunächst ein bisschen stolz.

Ich bin ich! Ich bin ich!

Ich bin ich, bin nicht wie Du! Du bist Du, Du bist Du! Du bist Du!

Ich bin ich! Da wurde noch nichts geklont. Man könnte auch sagen: man hat damit die Umwelt geschont.

Schaut mich an. Und? Ich hab‘ weder Cholera noch Ebola. Eure Blicke durchdringen mich. Irre, das spüre ich ganz deutlich. Das macht mich nicht kirre. Mich gibt es wahrlich nur einmal, bin so ein individuelles Gen-Paket zum Anfassen. Wer mich auf engstem Raum erlebt, wird mich hassen. Ich bin eine grobmotorische, mündliche Tötungsmaschine. Und nenne mich deswegen nicht umsonst auch im Internet Tretmine Tine.

Außerdem habe ich eine Expertise, eine Bestätigung, um zu beweisen, dass mein extremes Lachen jeden in den Wahnsinn treiben kann. Ich kann tatsächlich jeden damit zur Strecke bringen, wenn ich nur will, auch hier. Dann werd‘ ich zum gefährlichen Tier. Jetzt will ich aber nicht. Keine Lust! Eher Frust. Ich hab‘ Urlaub. Und mit Verlaub stört mich dann nichts. Nicht einmal aufgewirbelter Staub der Männer-Partei AfD, die Alternative für desinteressierte Akademiker mit rechten Ansichten des kleinen Mannes.

Ich kann auf Kommando mit den Zähnen klappern und Feinde durch scharfe Sätze ausschalten. Meine Gene sind dafür wie geschaffen. Meine Leistungsfähigkeit kann man auf den ersten Blick oft nicht raffen. Ich kann auch notfalls das Wort: Frieden auf Englisch schreien. Will ich aber nicht und flüstere lieber ein gefühlbetontes Killer-Gedicht: Der Weltfrieden liegt auch mir im Blut wie Feuerbrunst und Glut.

Für Sondereinsätze mit Equipment-Gedöns und gemeingefährlichem Fluchen kann man mich buchen. Ich kann‘ s verraten, bin dann ein Feuerwerk, wie tausend Granaten.

Ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, wie meine geniale Geschafel-Sammlung. Bei mir hat Gewäsch, Gesülze, Blabla keine Chance. Dummes Zeug und Gelaber bringen mich wie eine Abwehrrakete in Fahrt. Ich kann jedes Haus zusammen brüllen und Geschichtsbücher mit klugen Worten füllen, aber fieses Geschriebenes auch zerreißen, zerknüllen. Elitäres Geplänkel geht mir auf den Geist und Eierstöcke. Ich will im Moment nicht mehr daran denken und kostbare Zeit damit verschwenden. Nicht aktiv sein, will time-out. Gefasel und Larifari von bekloppten Menschen lenken mich immer so ab.

Leute! Ich sollte keine Nachrichten mehr sehen, das tut mir nicht gut und bringt mich in Wut. Heute könnte ich sogar mit ganzem Körpereinsatz, also mit meiner eigenen Sprache bärtige Terroristen ausschalten, die andere kopflos machen. Über deren Barbareien kann ich nämlich überhaupt nicht lachen. Da bleibe ich todernst und stelle sonderbare Fragen.

Wann ist der Mensch noch ein Mensch? Wann ist der Mensch noch ein Mensch? Wann ist der Mensch noch ein Mensch? Das frage ich mich immer und immer wieder aufs Neue, wenn ich derzeit wahre Bestien in Freiheit sehe und nicht verstehe, warum sie als befruchtete Eizelle so enden konnten. Ihr auch?

Man kann sich doch ändern. Seht mich an. Ich bin eine gut ausgebildete grobmotorische mit Worten gespickte Tötungsmaschine und mache normalerweise alles nieder, was mir vor die aufgebrachte Zunge kommt. Dann kann ich mäkeln, stänkern, meckern, rüffeln, nörgeln, rügen, tadeln, zetern, beanstanden, lamentieren, monieren, querulieren und vorverurteilen. Manchmal hasse ich mich dafür, wenn ich die Klappe nicht halten kann und ein Wortschwall quasi vollautomatisch abgefeuert wird. Ein echtes Problem, wenn ich höre, sehe und beobachte.

Deshalb werde ich eine Auszeit nehmen und die Klappe halten. Ich will nicht mehr lautstark zynisch agieren und lieber mit brachialer Stille reagieren.

Seit Tagen arbeite ich mit einem Ratgeber für verbale Zellklumpen-Typen. Das Buch trägt den banalen Titel: Ausgeschlafen ruhig bleiben!

Kennt ihr das Buch? Es gibt wahrlich schreckliche Gestalten, deren Geschwätz furchtbare Bände sprechen und das Leben vieler Menschen mitgestalten, verwalten. Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz in Führungspostionen werden dort u.a. beschrieben. Für mich ein Buch zum Verlieben. Vielleicht kommt mir in Zukunft kaum noch ein Wort über die Lippen, das andere schwer verletzen würde. Eine große Bürde, aber zu schaffen.

Jetzt ist es endlich soweit, bin für eine Auszeit bereit. Danke!

©Corina Wagner, November 2014

© Bildquelle: Mario Spreen


Tobias Meinhold, Marco Kerler, Catharina Straß, Stefan Crezesina, Heinz Koch, Franziska Hymon, Paul Kost, Corina Wagner, Robert Scheel,

Bernd Uwe Schiefer, Paolo Percoco (von links nach rechts)


Donauslam Neu-Ulm

Am Donnerstag, den 18.06.2015 fand im Rahmen des Geburtstagsfestivals 20 Jahre Radio free FM der Donauslam im Café D‘ Art in Neu-Ulm statt. Es war eine Kooperation mit KultuReservoir und Cafè D’Art.

Auf der Bühne standen:
- Andy Giordano
- Stefan Grzesina
- Andreas Heck
- Jay Man Jesus
- Jule Kaiserkind
- Leo Leuze
- Dotschka Meteorowa
- Angela Schwärzler
- Corina Wagner

http://www.freefm.de/termine/21231

Wahre Wortakrobaten waren am Werk und das Publikum zollte dies mit großem Applaus. Paolo Percoco (Radio free FM) moderierte souverän den Slam alleine, da Tobias Meinhold (KultuReservoir) überraschenderweise krank wurde.

Die Sängerin Jule Kaiserkind zum Beispiel machte zum ersten Mal bei einem Slam mit und zog mich total in ihren Bann. Die Texte von Jay Man Jesus waren beeindruckend.

Andreas Heck war der Abräumer beim Donauslam und gewann die begehrte Flasche Whisky. :-)

Ich hatte großen Spaß auf der Bühne und band das Publikum in meine Performance ein.

Durch das begeisterte Publikum bleibt es für mich ein unvergesslicher Abend, da alle so schön mitmachten. :-)
Es hätte auch sein können, dass das Publikum während meines Bühnenauftritts total still bleibt, aber das Gegenteil passierte. Toll!

Leider gibt es keine Fotos, aber alles wurde aufgezeichnet. Demnächst wird man die Texte im Kulturradio bei Radio free FM hören können.

Wer will, kann nun nachlesen, was ich während des Donauslams vorgetragen habe:

Geht’s Euch noch gut? Prima. Jetzt müsst ihr mir alle helfen. Hallo wach ist jetzt angesagt.

Zunächst will ich hier von allen ein gemeinsames, kollektives Bäh hören, so ein mit voller Inbrunst angewidertes Igittigitt-Bäh.

Auf 3 geht’s los: 1, 2: Bäh

Sehr schön und wenn ich dann gleich den Arm hoch halte, will ich das Bäh immer vom geneigten Publikum, also von euch hier beim Donauslam hören.

Außerdem

Arm hoch! (Bäh vom Publikum)

benötige ich noch von allen - einen qualitativ hochwertigen Aufschrei des Entsetzens. Auf drei geht‘ s wieder los: 1, 2:

Aufschrei vom Publikum

Och, das geht aber noch besser. :-)

Wenn ich das Bein später anhebe, wenn ich meinen Text rezitiere, wird bitte mit Begeisterung geschrien. Ok?

Wir üben mal noch vorsichtshalber das Bäh und den Aufschrei des Entsetzens. Arm hoch! (Bäh vom Publikum) Bein hoch! (Aufschrei vom Publikum)

 Heute Nacht bin ich erwacht und habe wahrlich nicht gelacht.

Es herrschte Weltuntergangsstimmung in meinem neuen Bett.

Kein Wunder, denkt da so mancher von euch insgeheim:

Die Frau ist nun mal graziös adipös, zu fett für ein Abenteuer in einer faltbaren Schaufelbahre.

Arm hoch! (Bäh vom Publikum)

Einen Wahnsinnsschrei ließ ich los.

Bein hoch! (Aufschrei vom Publikum)

Und fragte mich bloß, ob ich das

jetzt alles geträumt habe.

In Versen kann ich es nicht erzählen,

will ich auch nicht, wird ein ätzendes Gedicht.

Ein Freistilgedicht von der übelsten Sorte,

so ein ordinäres, vulgäres, primitives, diffamierendes Wortegeplänkel,

worauf reifere Frauen, aber meistens ältere Männer abfahren und zum Stehaufmännchen werden. Wow!

Arm hoch! (Bäh vom Publikum)

Ältere Herrn gerne sofort stramm stehen und den Bauch spontan einziehen.

Sich meistens anstatt einer altersgerechten Feinripp-Buxe zuzuwenden, dann lieber an einer jugendlichen Latex-Hipster vergreifen und dies natürlich drei Nummern zu klein.

Damit wird dem Ganzen dann Ausdruck, Anschein einer aktiven Potenz verliehen.

Da sollen Frauen nochmals beklagen, sagen, dass Männer nicht multitastingfähig sind,

wenn diese gleichzeitig liebreizend den Kopf verdrehen und mit den Händen gestikulieren. Unterdessen Paarungsgedanken meditieren, sinnieren,

die man besser nicht erahnen will, wenn man Jungfrau oder nur Frau ist und bleibt deswegen lieber still. Oder sagt ganz leise: Gute Reise!

Arm hoch! (Bäh vom Publikum)

Ich hab‘ das alles nur geträumt, so denke ich und erinnere mich:

Die gebrauchte faltbare Schaufelbahre, eine etwas angeschmuddelte Rettungsbahre aus dritter Hand habe ich neulich als legale Ware im Internet ersteigert. Legal und völlig real.

Damit habe ich mir einen kleinen Kindheitstraum erfüllt.

Voll cooles Teil mit Schimmelsporen-Effekt, uralten Blutflecken, diversen Keimen und breitflächigen Schweißrändern. In der Tat ein echtes Unikat.

Arm hoch! (Bäh vom Publikum)

Gut manche schreien jetzt lieber.

Bein hoch! (Aufschrei vom Publikum)

In der Betriebsanleitung stand, dass man sie bis zu 159 kg beladen kann.

Ein echtes Schnäppchen.

Heute Nacht musste ich mir sofort alles notieren, woran ich mich noch in Bruchstücken erinnern konnte, als ich mit offenen Augen träumte. In der Beschreibung der Bahre stand unter

Punkt Drei keine Schweinerei, sondern: Solide Ehrenrettung, auch fifatauglich. Da grübelte ich.

Ich war plötzlich wie besessen, durfte nichts verträumt vergessen, musste

alles archivieren, schriftlich agieren und deswegen mein Kurzzeitgedächtnis aktivieren. Ich drehte mir zunächst ein Tütchen mit getrocknetem Liebstöckel, Thymian, Trompetenblume und

Löwenzahn, rauchte dieses Gemisch anschließend genüsslich, als sei ich nicht von dieser Welt.

Bein hoch! (Aufschrei vom Publikum)

Genau. Wow!

Ich begann elendig zu frieren, ob wohl es dermaßen heiß zuging,

als ich diesen bestialischen Traum nochmals durchlebte und es überall voller Körperflüssigkeiten, frischem Schweiß klebte.

Gefühlte 42 Grad. Ich schwör!

Ich wollte tatsächlich alles in einem Radius von 15 cm malträtieren, liquidieren, um zu demonstrieren: Ich lass‘

mich durch einen abartigen Traum nicht provozieren und schon gar nicht durch ein Tütchen mit getrocknetem Liebstöckel, Thymian, Trompetenblume und Löwenzahn.

Wahnsinn? Völlig irre. In diesem fiesen Traum erwachte ich fast 12 Jahre älter, also mit fast Zweiundsechzig,

gefangen in einem anderen Körper und dies bei Tageslicht.

Arm hoch! (Bäh vom Publikum)

Fatalerweise auch noch mit nacktem Oberkörper.

Könnt ihr euch das jetzt vorstellen? Besser nicht oder doch?

Arm hoch! (Bäh vom Publikum)

Ich stand nicht etwa hinter einem Einbauherd, sondern saß auf einem Pferd und demonstrierte Männlichkeit und Macht. Wow! Denken einige.

Andere:

Arm hoch! (Bäh vom Publikum)

Grässlich, was dann geschah.

Ich kann es für Euch nicht bunt ausmalen.

Die einzelnen Szenen farbenfroh retuschieren und hier an die Wand projetzieren. O nein!

Solche Träume bleiben besser im Verborgenen, lässt sie auf seiner Festplatte ausradieren und eliminieren.

Ich kann nur an die Vernunft, die Menschlichkeit appellieren: auch wenn manche den Verstand verlieren, muss nicht jeder Traum verwirklicht werden…

Danke! :-)

© Corina Wagner, Juni 2015

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/donauslam-neu-ulm

Am 01.07.2015 wurden die Aufzeichnungen des Donauslams in der Radiosendung Kulturradio bei Radio free FM gesendet. Wer nachhören will, bekommt nun die Gelegenheit:http://www.freefm.de/node/21598

 


Beer Slam

​1. Beer Slam im TECHNOSEUM in Mannheim

Im Rahmen der Sonderausstellung: „Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot“, die noch bis zum 24. Juli 2016 im TECHNOSEUM in Mannheim zu sehen ist, fand nun am 29.06.2016 der 1. Beer Slam im TECHNOSEUM statt. Eine Mischung aus Sience Slam und Poetry Slam erwartete die VeranstaltungsbesucherInnen, die von Frau Dr. Roth in der Arbeiterkneipe des Museums begrüßt wurden. Roth ist die Leiterin Abteilung Öffentlichkeitsarbeit im TECHNOSEUM und ermöglichte mir weit vor Beginn des Slams meinem Spleen zu frönen. Ich sang spontan ein Ständchen und teste damit die Akustik. Ein tolles Erlebnis für mich, da mir die Architektur des Gebäudes sehr gut gefällt. Meine Stimme verselbständigte sich auf mehreren Etagen, so wurde mir später erzählt. Mein Gesang kam gottseidank bei den Anwesenden prima an und so wurde ich bereits vor Beginn des Slams nicht schon wieder nach Hause geschickt. ;-)

Wer wie ich Mitte der Achtziger in Mannheim eine Zeitlang lebte, kennt auch die Entstehungsgeschichte des Museums. Damals hieß es noch Landesmuseum für Technik und Arbeit, als es seine Pforten öffnete. Dieses Museum wurde von meinen heute erwachsenen Söhnen geliebt, wenn sie die Großeltern in Mannheim besuchten. Hätte mir jemand Anfang der Neunziger Jahre prophezeit, dass ich 2016 dort am ersten Beer Slam als einzige Frau (im Alter von 51 Jahren) unter lauter Slammern teilnehmen würde, den hätte ich schallend ausgelacht.

„Ist Bier Poesie oder eine Wissenschaft für sich?“, so die Frage auf der Facebook-Seite des TECHNOSEUMS. Die Slammer Beiträge waren so unterschiedlich, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen. Diese „bierische Vielfalt“ führte zu einem kurzweiligen Vergnügen. Ich bin froh, dass ich die Beiträge nicht bewerten musste. Doris Steinbeißer vom SWR moderierte super, absolut souverän mit viel Charme den Beer Slam, so dass es eine rundum gelungene Veranstaltung wurde.

Max Dietz (Doktorand an der TU München, Lebensmittelchemiker) gewann mit seiner Schaumparty. Er erklärte wie ein ordentlicher Bierschaum zustande kommt, da ging es humorvoll um Proteine und Moleküle.

Da ich nicht nur die einzige Frau war, sondern auch vermutlich die älteste Person, die teilnahm, hätte ich am liebsten spontan Sami Hamdan (Psychologie-Student, Sience), Jonas Meyer (Poetry) und Daniel Helbig (Poetry) adoptiert. Alle drei hätten meine Söhne sein können. ;-) Großartig, was diese jungen Menschen auf der Slammer Bühne ablieferten. Dr. Phil. Matthias Warkus (Sience)wie auch Valerian (Poetry)aus Bad Bergzabern begeisterten. Wie bereits geschrieben - eigentlich konnte man die Beiträge nicht miteinander vergleichen und doch hatten sie alle irgendwie mit Bier zu tun, so auch der Beitrag des Mathematikers Martin Becker (Sience) aus Blaubeuren. Ich wurde während meines Beitrags zu Bierlinde Gebräu und politisch aktiv. Bierlinde hat bierisch Angst vor TTIP. Deshalb rief sie im TECHNOSEUM zur Gründung der Deutschen Bierpartei auf. :-)

Wer will, Zeit, Lust und Muße aufbringt, kann meinen Beer Slam-Beitrag nachlesen. Ich hatte während des Beitrags mit meiner ausgebildeten Stimme ein bisschen gespielt und wer will, kann z.B. bei “piff, pfaff, puff“ extrem laut werden.

Beer-Slam Text Bierlinde Gebräu:

Guten Abend,

wow, dass ich das noch erleben darf: hier in der Arbeiterkneipe im Technoseum zu stehen.

Was für ein Gefühl des Glücks, bevor ich ausgepfiffen werde. Geht’s euch noch gut? Prima. Das macht mir Mut.

Ohne „Monnemer Eichbaumschaum“ vorm Mund oute ich mich hier beim ersten Beer Slam als Wissenschaftsdilettantin Bierlinde Gebräu mit einer Geschichte, die mir sowieso vermutlich keiner glaubt und vielleicht dem ein oder der anderen ein bisschen die Nerven raubt.

Neulich – nachts - nach einer Bierprobe, irgendwo da draußen in Bayern, also quasi in einem toten Winkel unserer Republik kam es versehentlich über mich. Es war schauerlich bedenklich, eigentlich fürchterlich, aber inhaltlich zugänglich. Um Missverständnisse zu vermeiden, mir ist dort nicht der Biergeist von Franz Josef Strauß im Dunkeln begegnet oder etwa leibhaftig Markus Köter, ähm Söder, als Hybride der klassischen Bierhefe.

Heute kann ich behaupten: es hätte auch schlimmer kommen können, wenn z.B. dieses unsachlich komische, wunderliche, rückschrittliche Wesen, also jene Frau vom Storch ihr völkisches, rassistisches Gedankengut in meinem Gehirn verbreitet hätte.

Irgendetwas Illegales muss aber wohl oder übel in diesem Gesöff gewesen sein, das ich zuvor trank, da bin ich mir sicher. Bitte jetzt kein Gekicher: Ich hatte wahrlich nur ein Bier gezischt. Ehrlich. Nur eine Maß.

Es machte im Brauereikeller plötzlich bedrohlich piff, paff, puff! Und Im minimalistischen Suff hörte sich das Ganze ziemlich Außerirdisch an. Zurück - blieben Erinnerungen an Visionen, über die ich jetzt reden will, nein sogar muss. Vielleicht ist es Stuss. Vielleicht auch nicht, aber bestimmt kein Larifari-Gedicht. Aus meiner Sicht sind üblicherweise gute Biergedichte sowieso längst Geschichte!

Ich, bekennende Bierktrinkerin und irgendwie mit Bierlinde Gebräu als Symbiose vereint, stehe nun hier, nüchtern und deshalb noch ein bisschen schüchtern.

Mein Innerstes sagt mir, also ein Gemisch aus Hopfen, Wasser und Malz, dass das deutsche Reinheitsgebot nicht umsonst die älteste Lebensmittelgesetzgebung der Welt ist. Bevor man den Hopfen als Konservierungsmittel und aromatische Verfeinerung einsetzte, wurden fatale Substanzen für die Bierherstellung verwendet, das wissen heutzutage bereits Kindergartenkinder, jedenfalls in Bayern, dass da weder Urin noch Friedhofswasser hineingehören. Deshalb werde ich nun das Sprachrohr von Bierlinde, die wegen fehlender Transparenz; Kompetenz und Präferenz bierisch Angst vor TTIP, dem europäisch- amerikanischen Freihandelsabkommen hat. Für die einen wirke ich nun sympathisch, für andere problematisch, zu dramatisch, aber das Leben ist nun mal kein Bierkasten.

Dank der Macht der Amerikaner wird vielleicht in Zukunft nichts beim Alten bleiben und so könnten diese dann deutsches Bier neu gestalten. Jawoll. Das muss man als Biertrinkerin bzw. Biertrinker in Deutschland vor Vertragsabschluss einfach wissen. Wissen ist bekanntlich Macht, also gebt Obacht.

Was ich jetzt sage, wird wirklich gemein, aber wenn TTIP kommt, dann gehören reine, feine Bierschäume der Vergangenheit an.

Mein Tost, mein Trinkspruch lautet nun für euch: Zischt Reines keck weg! Solange es noch danach schmeckt. Prost!

Neulich erlebte ich den puren Horror, als ich wie Bierlinde träumte und dann vor lauter Angst versäumte, tief durchzuatmen. Beinahe wäre ich vor Schreck erstickt. Ich hab‘ Donald Trampel, ähm Trump triumphierend mit der neuen Sorte „Ku-Kux-Klan-Beer“ in der übermächtigen Hand stehen sehen. Ich möchte nicht lügen- jener Anblick von Trump war widerlich und kein Vergnügen. Kaum bekam ich wieder genug Sauerstoff zum Atmen, hechelte ich nach einem Bier. Seit dem trinke ich unerlässlich mehrmals täglich, um noch in den Genuss aller reinen und feinen Biersorten in Deutschland zu kommen. Verständlicherweise kenne ich nun die Wirkung von vielen Bieren und die optimale Gangart auf allen Vieren. Aus Angst vor Ungewissheit wächst man manchmal über sich hinaus und posaunt wie ich hier dann das total Unmögliche, aber Machbare aus sich heraus.

Bierlinde Gebräu, also die Symbiose aus ihr und mir hegen einen Wunsch und wollen jetzt eine Partei gründen und uns mit Gleichgesinnten verbünden. Schaut mich an. Ob wir, ob ich es kann.

Ich sage bewusst nein zu TTIP und auf jedem Falle lautstark nein zum Bier mit Ochsengalle.

Ich sage auch nicht ja zur Beimischung von Ambrosia.

Ein deutliches Nein zu Stechapfel, Eichenrinde, Enzian und Löwenzahn.

Ich distanziere mich davon. Das gibt es nicht mit mir. Ich will nur Malz, Hopfen, Hefe und Wasser als deutsches Lebenselixier. Drum stehe ich hier als Visionärin wie ein Hüne auf der Bühne. Denn ich habe schon lange erkannt, dass Bier im Gehirn Areale neu erschließt und so mancher Geistesblitz wie ein Saatgut von Weizen und Hopfen dann vorzüglich als geistiger Höhenflug nach draußen in die Öffentlichkeit sprießt.

Ich liebe deutsches Bier in sämtlichen Variationen, da können mich mal die anderen Nationen. Mit ihren eigens fabrizierten Biersorten gerne haben.

Jawoll! Ich find deutsches Bier schlicht und ergreifend einfach nur toll. Mein Vokabular besteht übrigens aus mehr als nur den Schlagworten wie deutsches Bier, jawoll und toll.

Ich wäre als Parteivorsitzende der ersten deutschen Bierpartei für Verhandlungen am runden Tisch prädestiniert und die Richtige und Gewichtige.

Ich appelliere in Bierlaune an die Vernunft. In der derzeitigen Parteienlandschaft ist es eine echte Option für unsere Nation. Die deutsche Bierpartei steht für flüssiges Gold und für mehr Gerechtigkeit, haha (lautstark lachen), also Heiterkeit in sämtlichen Bereichen des täglichen Lebens und weniger für Borniertheit und Kleinkariertheit. Der Name Bierlinde Gebräu steht für das Gemeinwohl jedes einzelnen.

Die DBP wäre eine echte Perspektive für unser Land und raubt damit den anderen vermutlich den Rest vom Verstand. Wir stünden keineswegs am Parteienrand. Macht bitte mit. Wir, die Deutsche Bierpartei sind keine Kopie, sondern das Original einer Flaschengärung und freuen uns über jedes Genie. Das ist eure, unsere Chance für Deutschland. Und gegen Ende zitiere ich sehr gerne noch die Kanzlerin: "Wir schaffen das!" Danke!

©Corina Wagner, Juni 2016

http://www.technoseum.de/ausstellungen/bier-braukunst-und-500-jahre-deutsches-reinheitsgebot/

 

Bildquelle:© Simone Rau

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/1-beer-slam-im-technoseum

http://www.morgenweb.de/mannheim/mannheim-stadt/uber-schaumkronen-und-bierdurst-1.2859845

 


Ich singe solange, bis ich zur Quintenschaukel mutiere und dann schreibe ich über ganz neue Töne ...