Corina Wagner

:: Musikalisches Erbe

Sopranistin und Autorin


Das Heute, das jetzt Machbare zählt ...

Mein musikalisches Erbe

 

 

Musik stand schon immer im Mittelpunkt meines Lebens, könnte ich spontan antworten.

 

Was wird aus einem Mädchen, das im Jahre 1965 geboren wurde und dessen Eltern Musik im Alltäglichen integrieren? Woher kommt die Begeisterung für die klassische Musik?

Sind Sie neugierig? Vielleicht auch musikalisch? So wie meine Eltern oder Großeltern zum Beispiel?

Wenn die Mutter einen glockenklaren Koloratursopran vorweist, die Arie der Königin der Nacht (Zauberflöte) extrem gut beherrscht und man quasi die Töne mit der Muttermilch aufgesogen hat, verfolgt diese ausgeprägte Musikalität der Mutter zumindest mich schon mein ganzes Leben lang.

Wenn man sich als Kind, so wie ich, im Orchestergraben und in der Künstlerkantine hervorragend auskennt, weil Mama im Extrachor mitsingt, wenn sie nicht wieder gerade krank ist, dann muss dies kein Nachteil für das Erwachsenwerden sein. Wenn die Mutter nicht nur das Spielen des Klaviers beherrscht, sondern einige weitere Instrumente, so kann dies auch bedeuten, dass man frühzeitig rebelliert. „ Warum soll ich denn fleißig Klavierspielen lernen? Mutti kann es doch perfekt …“

 

Zumal der Vater als Kind auch das Klavierspielen und das Flötespielen erlernen musste. Papa als Kind im Theater aushalf, wenn nach Extrastimmen verlangt wurde und er als erwachsener Mann als Bass zu manchen Familienfesten sang bzw. noch singt. Sein Großvater väterlicherseits stets die Fiedel zückte, da er diese als Dorflehrer benötigte, prägte ihn diese Musikalität wohl auch, so denke ich.

Was denkt wohl ein talentiertes Mädchen, wenn die liebe Verwandtschaft Instrumente beherrscht? Wird diese Tatsache zur Last? Wenn man Kenntnis hat, dass Opa mütterlicherseits (Lyrischer Tenor) und fast alle seine Geschwister am Konservatorium Musik studierten? Können Sie es ahnen?

Was passiert wohl z.B. vor der Geburt mit den Genen? Keine Ahnung, Sie etwa? ;-)

Wie wirkt es sich wohl auf das Gemüt einer Enkelin aus, wenn sie, also ich, weiß, dass ihr Großvater als junger Mann vom Westerwald nach Duisburg zog, um Gesang zu studieren, aber trotz alledem einen „ordentlichen“ Beruf ergriff. Opas Bruder jahrzehntelang in seiner Freizeit Chorleiter ist, das Amt eines Kreischorleiters ausübt, bis er zum Ehrendirigent eines Bundeslandes ernannt wird, dies prägt den Urlaub der Enkelin in den Ferien. Kleine Auftritte vor der Verwandtschaft zu den Geburtstagsfeiern bleiben da nicht aus.

Kennen Sie die Kessler Zwillinge? Oh - meine kleinere Cousine musste wegen mir oft in den Ferien leiden. Auch das Klavier- und Orgelspiel der Tante in der Kirche bleibt bei einem 6-wöchigen Aufenthalt nicht ohne musikalische Nebenwirkungen.

Nebenbei gibt es da noch die Gene von Uroma Rosa, die mit Heinrich Schlusnus (Bariton, deutscher Opern- und Konzertsänger) verwandt ist. So kommen Muttis Gene von zwei Seiten ins musikalische Erbgut.

Wie fühlt es sich wohl an, wenn man als junges Mädchen erfährt, dass die Großmutter väterlicherseits z.B. zeitweise in einem Berliner Chor mitwirkte, weil ihr Sopran in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale überzeugte? Eigentlich wie immer ... Nur erkennt man dann, dass die Großmutter vermutlich gut sang, denkt an ihre Mandoline, die als Erbstück an die gute alte Zeit zurück erinnert, die ich nicht erleben durfte.

Nicht nur Gene bestimmten wohl meine Entwicklung, sondern auch der bemerkenswerte Einfluss der angeheirateten Verwandtschaft meines Vaters. So ging ein Kirchenmusiker, Organist und Kirchenchorleiter bei uns ein und aus. Meine Mutter sang solistisch unter seiner Fuchtel.  Er nahm mich des öfteren z.B. als kleines Mädchen auf den Schoß und spielte dann wunderbar Klavier. Leider starb er wie die Großeltern viel zu früh. Wenn ein Geiger, der im Theaterorchester spielt, mit den Eltern eng befreundet ist und man als Kind immer zum Singen von ihm animiert wird, so kann diese Erfahrung echtes musikalisches Vergnügen bieten. Zumal er selbst komponierte Stücke am Klavier zauberte, dies beeindruckte mich sehr, wenn ich mit ihm und meiner Mutter musizierte.

 

Heute stelle ich mir bewusst immer die Frage, wie man bei Tannhäuser von Wagner schlafen kann? Ich konnte es zumindest damals, so die Aussage meines Vaters. Mutti sang derweil im Opernchor und unser Freund spielte im Orchester Geige. Meine Schwester war in jener Opernaufführung hellwach!

Was passiert wohl, wenn z.B. eine schlagzeilenverdächtige Opernsängerin auf den Kindergeburtstag kommt? Eigentlich gar nichts, da ich zu der damaligen Zeit nicht ahnte, dass Ruth Gassmann in dem Aufklärungsfilm Helga die Hauptrolle spielte. Wenn ich an diese Zeit zurück denke, so kann ich heute behaupten, dass ich sie als sehr sympathische Frau in Erinnerung behalten werde. Ob sie sich noch an mich erinnern kann, ist wohl ein anderes Thema, da der Kontakt verloren ging.

Geht die musikalische Welt unter, wenn man in der Pubertät erkennt, dass man eigentlich Opernsängerin werden könnte? Nein! Jedenfalls für mich nicht. Allerdings ist es dann ziemlich unangenehm, wenn man sich für die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule anmeldet und meint das Klavierspielen endlich nachholen zu müssen, was man all die Jahre vernachlässigt hat. Es macht absolut keine Lust, zumal das Abhängen mit Freunden zu jener Zeit viel interessanter ist. Null Bock - würde man heute sagen bzw. schreiben. Singen ist absolut kein Problem – Mutti übt, wenn möglich, jeden Tag ihre Koloraturen, danach oder davor werden Songs z.B. von Nina Hagen einstudiert. Der Augenaufschlag meiner Mutter bezüglich meines Musikgeschmackes jener Zeit war grandios. Ich überzeugte mit einem realistischen Argument, schließlich ist deren Mutter Opernsängerin. Und so kam es, wie es kommen musste. Ein Auftritt über Tische in einem Ferienlager der Messdiener (Bretagne) als Nina Hagen. Heute eher eine peinliche Erinnerung ans Singen. Zum Ausgleich gab es dann einen seriösen Auftritt als Marilyn Monroe. Allerdings hatte ich mir einen BH ausgeliehen, der nicht meiner Größe entsprach und bestückte ihn mit Abtrockentüchern. Diese warf ich gegen Ende des Liedes genau in die Richtung des Pfarrers.  Gott sei Dank durfte ich nach den Sommerferien weiterhin im Kirchenchor mit meinem jugendlichen Sopran glänzen.

Ich hatte als Kind Stimmbildung durch meine Mutter und später durch eine Gesangslehrerin.

Außerdem erhielt ich Klavier- und Musiktheorieunterricht, Harmonielehre und all den musikalischen Quatsch, den man so benötigt, wenn man vernünftig singen möchte. Ich hatte mich zur Aufnahmeprüfung der Musikhochschule angemeldet, aber da begegnete mir mein Gatte. So entschied ich mich für ein Leben abseits der großen Opernbühne und erzog zwei Söhne. Doch zuvor erlernte ich den Beruf der Groß- und Außenhandelskauffrau und sang in meiner Freizeit Solis. Jahre später wurde ich zur Autorin.

Wer nun einen Werdegang mit teuren Meisterkursen erwartet, muss sich neu orientieren.

 

Im Laufe der Jahrzehnte sang ich bis heute in vier Kirchenchören, zwei Oratorienchören, einem Frauen - und einem gemischten Chor. Außerdem sang bzw. singe ich regelmäßig solistisch u.a. auf Hochzeiten, aber auch während Konzerten oder Beerdigungen.

 


Ich singe solange, bis ich zur Quintenschaukel mutiere und dann schreibe ich über ganz neue Töne ...